



Bewegend, aufrüttelnd, zu
Herzen gehend: Mitte September hat Sally Perel in den Evangelischen
Fachschulen Osnabrück einen eindringlichen Vortrag über seine Erlebnisse
während der NS-Tyrannei gehalten. Perel berichtete, wie er als Jude, um zu
überleben, zum Hitlerjungen Josef wurde. Geboren wurde er 1925 als Salomon
Perel in Peine. Nachdem ihr Schuhgeschäft von den Nazis verwüstet wurde, zog
die Familie Perel 1938 ins polnische Lódz . Während des Zweiten Weltkriegs
wurde Perel von der Wehrmacht gefangen genommen. Da er perfekt deutsch sprach,
konnte er sich als Volksdeutscher ausgeben und seine jüdische Herkunft
verschleiern. Seine wirkliche Identität wurde von einem Kameraden an der Front
aufgedeckt, der als Homosexueller Interesse an Sally Perel hatte. Als er
erkannte, dass Perel Jude war, versicherte er ihm, ihn nicht zu verraten.
Diese Freundschaft half Perel zu überleben. Nach zwei Jahren an der Front
wurde er zurück versetzt und kam in eine Schule der Hitlerjugend. Außer Sally
Perel und seinen Brüdern Isaak und David überlebte kein Mitglied der Familie
den Holocaust. Nach dem Krieg verließ Perel Deutschland. Viele Jahrzehnte
lebte er in Israel, ehe er sich entschloss, das Erlebte niederzuschreiben.
Seine Geschichte erschien unter dem Titel „Ich war Hitlerjunge Salomon“ 1992
erstmals auf Deutsch. Das Buch wurde von 1990 unter dem Titel „“Hitlerjunge
Salomon“ (englisch: „Europa, Europa“) verfilmt. Sally Perel lebt heute in
Israel.
Die etwa 250 Schüler und Lehrer der EFS waren von seiner Geschichte sichtlich bewegt
und in den Bann gezogen. Mit seinen Vorträgen möchte Perel die Jugend gegen
eine erneute braune Gefahr impfen, die den Holocaust leugnet: „Ich habe mir
geschworen, für die Wahrheit zu kämpfen, als ich die Kinderschuhe in Auschwitz
sah.“
Als Zeitzeuge wurde er von einer Schülerin gefragt, ob es stimmen könne, dass
so viele angeblich nichts gewusst hätten? Perel antwortete: „Ich glaube, dass
alle es wussten!“ Das „Ich habe nichts gesehen.“ könne er nicht akzeptieren.
Nach dem Krieg habe es an Zivilcourage gemangelt, dies einzugestehen. Perel
führte aus: „Für mich ist das quasi eine zweite Schuld, weil sie angeblich
nichts wussten.“ Der aufrüttelnde Redner möchte aber keine Schuldgefühle
wecken und hält nichts von einer Erbschuld. Sein Anliegen ist ein anderes:
„Ich will mit Wahrheit den Verstand erleuchten: ein erster Schritt zu einer
besseren Welt, die ich euch wünsche und gönne.“
Nach dem herzlichen Dank durch die stellvertretende Schulleiterin Friederike
Niederdalhoff kauften die meisten Zuhörerinnen und Zuhörer sich die
autobiographischen Erinnerungen „Ich war Hitlerjunge Salomon “ Sally Perel
nahm sich über eine Stunde Zeit, um in alle Bücher seine Widmung zu schreiben.
Dietmar König