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Professor Dr.  Clemens Hillenbrand
 vom Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik an der Universität Oldenburg

 

 

 

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An den EFS haben im Sommer 17 Erzieherinnen aus Osnabrück und Umgebung eine Langzeitfortbildung zum Thema „Inklusion“ abgeschlossen. Organisatoren waren die Evangelischen Fachschulen Osnabrück und das Diakonische Werk.

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Sozialpädagogin und Psychosozialtherapeutin Annette Drüner

 

Schulinterne Lehrerfortbildung (Schilf)2011/2012  

Inklusion benötigt Zeit und Anstrengungen aller Beteiligten

Dr. Clemens Hillenbrand vom Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik an der Universität Oldenburg referiert vor EFS-Lehrerkollegium

In der Unterrichtsmethodik für Kinder mit Behinderungen führt an Inklusion derzeit kein Weg vorbei. „Doch dies bedeutet nicht oberflächlich, Menschen mit Behinderung Raum in bestehenden Strukturen einzuräumen oder sie zu integrieren. Stattdessen sollten Strukturen von vorneherein so verändert werden, dass sie ihnen gemäß werden“, erklärte Professor Dr. Clemens Hillenbrand vom Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik an der Universität Oldenburg jetzt in einem Vortrag an den Evangelischen Fachschulen. Die Fokussierung der Diskussion auf die Schule widerspreche dem umfassenden Menschenrechtsansatz. „Inklusion gilt als Menschenrecht lebenslang und ist eine gesellschaftliche Aufgabe“, erklärte Hillenbrand.

Der Sonderpädagoge ging in seinen Ausführungen auf die geschichtliche Entwicklung der Inklusion ein. Die UN-Behindertenrechtskonvention trat 2008 in Kraft. Sie hat zum Ziel, behinderten Menschen die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Hillenbrand warnte in seinem Vortrag vor einer vorschnellen Beurteilung der Möglichkeiten: „Es gibt die Bedenkenträger, die sich sicher sind, dass Inklusion nicht funktionieren kann. Und dann gibt es die Rosa-Wölkchen-Fraktion, die glaubt, dass sich alle Probleme durch Inklusion lösen ließen. Der beste Ansatz liegt wohl dazwischen.“ Die Schule könne nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen. Die Zielsetzung, Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben selbstbestimmt teilhaben zu lassen, müsse realistisch umgesetzt werden. So gebe es mittlerweile zwar fast überall integrative Kitas. Seit den 90er-Jahren hätten sich die Rahmenbedingungen jedoch stark verschlechtert. Hillenbrand erläuterte: „Inklusion ist kein Selbstläufer. Nur weil Kinder gemeinsam in einem Raum sind, heißt das noch lange nicht, dass sie auch gemeinsam spielen.“ Es sei eine pädagogische Aufgabe, soziale Beziehungen zu Gleichaltrigen erfolgreich aufnehmen zu können.

Eine wichtige Frage für alle pädagogischen Fachkräfte lautet für den Sonderpädagogik-Experten: „Wie kann Inklusion tatsächlich ein Erfolg für alle Beteiligten werden?“ Es gehe hierbei um die gezielte Förderung sozialer Prozesse aber auch um die effektive Förderung spezifischer Entwicklungsbedürfnisse. Ein Praxisbeispiel, das bei den Zuhörerinnen und Zuhörern der EFS auf großes Interesse stieß, war das Trainingsprogramm „Lubo aus dem All“. Dieses Unterrichtsmodul will sozial-emotionale Kompetenzen frühzeitig fördern, um so Verhaltensstörungen vorzubeugen. So lernen Kinder im Gefühlswetterbericht beispielsweise, ihre Empfindungen in Worte zu fassen. Ein weiteres Beispiel ist EFFEKT, ein Eltern-Kind-Training für die Entwicklungsförderung in Familien, gefördert vom Bundesfamilienministerium. Hillenbrand wies außerdem auf das „Keiner-ist-so-schlau-wie-ich“-Programm hin, bei dem es um die Steigerung der Sprachkompetenz geht. Der Pädagoge resümierte: „Inklusion fordert die Anstrengung aller Beteiligten. Wo erhalten Kinder die beste Entwicklungsförderung? Um dies zu erreichen, hilft ein ehrliches, klares Wort oftmals mehr als Inklusion um jeden Preis.“

Susanne Collins

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Beziehungspflege und sinnliche Erfahrungen sind das A und O

Sozialpädagogin Annette Drüner hält Vortrag zum Thema „Kinder bis drei – Geborgen und frei“

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn ein kleines Kind eine Jacke angezogen bekommt? Und welche Gedanken jagen einer Zweijährigen an ihrem ersten Krippentag durch den Kopf? Antworten auf diese Fragen haben die Lehrerinnen und Lehrer der EFS jetzt anlässlich eines Vortrags der Sozialpädagogin, Erzieherin und Psychosozialtherapeutin Annette Drüner diskutiert. Ihre Einführung in das Fortbildungskonzept „Kinder bis drei – Geborgen und frei“ wurde mit zahlreichen Rollenspielen, Bildern und praktischen Beispielen aus dem Krippenalltag untermauert.

Zu Beginn ihrer Ausführungen wies Drüner auf die immense Bedeutung des Sicherheitsempfindens kleiner Kinder hin: „Erst wenn sie sich wohl fühlen, steigt auch ihr Explorationsverhalten.“ Daher müssten sich Krippenkinder mehrmals am Tag individuell an ihre Erzieherin wenden können, um so wieder die nötige Sicherheit zum Entdecken aufzubauen. Gleichzeitig bauten Eltern und Erzieher durch eine gut strukturierte und durchdachte Eingewöhnungsphase eine Brücke für das Kind. Der erste Moment des Ankommens und Kennenlernen sei hierbei essentiell. Drüner ging in ihrem Vortrag auf den pädagogischen Ansatz der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler ein. Die 1902 in Wien geborene Pikler ging im 20. Jahrhundert neue Wege in der Kleinkindpädagogik. So erklärte die Gründerin des Budapester Lóczy-Instituts: „Wesentlich ist, dass das Kind möglichst viele Dinge selbst entdeckt. Wenn wir ihm bei der Lösung aller Aufgaben behilflich sind, berauben wir es gerade dessen, was für seine geistige Entwicklung das Wichtigste ist. Ein Kind, das durch selbständige Experimente etwas erreicht, erwirbt ein ganz anderes Wissen als eines, dem die Lösung fertig geboten wird.“

Annette Drüner griff dieses Zitat in ihren Ausführungen auf, um die Bedeutung des Spiels und die verschiedenen Aufmerksamkeitsformen hervorzuheben. Kleine Kinder lernten durch sinnliche Erfahrungen und viele Wiederholungen. „Besonders wichtig war Pikler die Pflege des Kleinkindes“, erklärte Drüner. Die Befriedigung der Grundbedürfnisse wie Nähe, Nahrung oder Schlaf sowie Pflege strukturierten den Tag eines Kleinkindes. Um sich in diese Welt hineinzuversetzen durften die EFS-Lehrerinnen und -Lehrer zum Abschluss des Vortrages ausprobieren, wie es sich anfühlt, als ungeschicktes Kind eine Jacke angezogen zu bekommen. Einhelliges Resümee: „Freundliche Ansprache und Blickkontakt sind unheimlich wichtig – bei Kindern und auch Erwachsenen!“

 Susanne Collins