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Fazit: Es ist schon gewaltig, was man in zwei Tagen mit sich selbst und der Gruppe erleben kann, wenn die normalen Bahnen des "Indoor-Alltags" verlassen werden. Der Lauf forderte vielfache Selbstüberwindung und Eigeninitiative ein. Weil die Gruppe aufeinander angewiesen war, haben sich alle besser kennen gelernt, Hilfsbereitschaft entwickelt und neue Naturerfahrungen gemacht. So wurden die Möglichkeiten der Erlebnispädagogik erfahrbar gemacht. Die Erlebnisse lassen sich sachgerecht auf die pädagogische Aufgabenstellung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen übertragen. Natürlich kann bei einem nächsten Hajk einiges besser gemacht werden. Aber das Ganze darf auch nicht zur Routine und überplant werden, sonst wäre das alles nicht erlebbar gewesen.






Um 8 Uhr starteten wir unseren Hajk mit einer Verspätung von 30 Minuten von den efs-os. Die ersten 3 km gingen flott von den Beinen. Wir liefen durch den Schölerberg, am Zoo vorbei. Einige Rucksäcke mussten noch etwas an den Riemen reguliert werden, aber ansonsten war alles klar. „Hoffentlich wird es nicht regnen“, waren die Gedanken, die uns von da an begleiteten.

Zwei Schülerinnen hatten die Führung übernommen und suchten mit Karte und Kompasses nach dem Weg. Nach irgendeiner Weggabelung kamen Zweifel auf, ob es hier wohl links oder rechts her gehen müsste. Wir entschieden uns für rechts. Die Leitung wurde bei dieser Entscheidung leider mit einbezogen und musste hinterher den Fehler mit verantworten. Und sofort kam eine Gruppendynamik auf, mit leichten Vorwürfen und einer kleinen Frustration, weil ja nun ein Weg doppelt gemacht werden musste.

Aber das war nicht das erste Problem. Kurz vorher riss der Haltegurt eines Rucksackes ab. Es war ein neuer Rucksack, der sehr günstig eingekauft worden war, sonst wäre das wohl nicht passiert. Aber es kommt ja bei einem Hajk wie im Leben darauf an, mit den gestellten Problemen fertig zu werden. Und da hatten wir recht findige Leute. Sie stießen mit einer Ahle Löcher in den Gurt und zurrten das Ganze ewig haltbar mit Kabelbinder zusammen. Einige Kilometer weiter machten sich erste körperliche Schmerzen bemerkbar. Immer häufiger wurde nach der Länge des Weges gefragt. Die Gruppenleitung motivierte hier und da zum Weiterlaufen. Viele kurze Zwangspausen mussten gemacht werden, damit die Gruppe (wie vorher verabredet) zusammenbleiben konnte. Natürlich wurde deutlich, wie nötig ein gewisses Vorbereitungstraining ist, um nicht zu schnell an seine Grenzen zu stoßen. Aber dazu bedurfte es ebenso der richtigen Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit. Nach einer Toilettenpause an einer Tankstelle gab es noch eine längere Steigung und die erste Etappe war geschafft.

Das bedeutete gleichzeitig für zwei Gruppenteilnehmer den Endpunkt ihrer körperlichen Möglichkeiten. Sie ließen sich mit der Genugtuung abholen, es doch immerhin bis zum ersten Zielpunkt geschafft zu haben. Die Anderen liefen noch etwa 2 Stunden über den Dörenberg, am Herrmannsturm vorbei bis sie den kleinen Wald am Urberg erreichten, in dem die Gruppe übernachten wollte. Es blieben genügende Kräfte, um Regenplanen aufzubauen, einen Grill anzuzünden und ein Lagerfeuer zu entfachen. Da wir von freundlichen Leuten sogar noch Klappstühle bekommen hatten, kam bei Bratwurst mit Brötchen und Krautsalat eine gewisse Gemütlichkeit auf, die über den Abend erhalten blieb. Und das alles ohne Alkohol, auf dem wir bewusst verzichtet hatten. Nun wurde die Vorbereitungsgruppe für das Abendprogramm aktiv.

Es gab Lieder zur Gitarre und Gespenstergeschichten, um die Übernachtung im Wald gruselvoll anzureichern. Mit 23 Uhr war es eigentlich noch recht früh, als die Ersten ihre Schlafstelle aufsuchten. Andere blieben noch ein wenig am Feuer. Zu dieser Zeit gab es eine Nachbarschaftsparty mit einem tollen Feuerwerk. Das scheint hier auf dem Lande wohl kein Problem zu sein. Nach und nach hatten sich alle, teilweise in Zelten, teilweise draußen oder unter Planen niedergelegt.

Es war schon interessant vom Boden aus die hohen Bäume zu betrachten, die in den dunklen Himmel ragten. Es gab viel zu erzählen und zu kichern. Hier und da erschreckte ein Kreischen vermischt mit Böllerschüssen vom Feuerwerk. Als alles so einigermaßen zur Ruhe gekommen schien, fing es an zu nieseln. Und es waren wirklich die Mädchen, die dann schnell ihre Sachen packten, um in einer Scheune unserer Wohltäterfamilie unterzukommen. Es war ein ungewöhnliches Bild, wie sich die kleine Gruppe über den Acker „vom Acker machte“. Einer hatte seinen Schlafsack vergessen und musste später zurück in den Wald, um ihn zu suchen. Zur Morgenstunde flüchteten zwei Jungen vor dem nun starken Regen in eine offenen Scheune. Dort rappelte und schepperte irgendetwas an einer Wand. Sorgevoll wurde Gefahr vermutet. Die Wand war aber die Tür zur Pferdebox. Zur Frühstückszeit machten sich die Beiden in Begleitung eines etwas Älteren zurück zum Lagerplatz, um ein Feuer zu entzünden. Das gelang mit viel Reisig recht gut, obwohl das Holz zumindest äußerlich nass war. So konnten sich die Hajker ein wenig aufwärmen und die Klamotten trocknen. Mit einem Gaskocher wurde Tee gekocht und Ravioli aus einer Dose zubereitet. So war die Welt wieder in Ordnung. Einige hatten von alledem nichts mit bekommen und schliefen seelenruhig bis zum Aufbruch in ihrem Zelt bzw. unter ihrer Plane.

Vor dem Aufbruch gab es eine Besprechung, um die Voraussetzungen für die restlichen 12 km des Laufes zu klären. Einige Hajk-Freunde konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiter und wurden zu einer Bushaltestelle gebracht. Die Restlichen schulterten die Rucksäcke und machten sich auf zur nächsten Etappe. Vorher gab es ein herzliches Dankeschön an die liebe Familie, die uns nicht nur ihren Wald, sondern auch Scheune, Kaffee und vieles mehr zur Verfügung gestellt hatte. Die Übriggebliebenen legten einen flotten Schritt vor, denn es ging ja nach Hause, in Richtung Dusche und Pflaumenkuchen mit Sahne. Und so landeten wir rechts stolz über unsere Leistung in einem Cafe´, von dem wir abgeholt wurden. Das war auch höchste Zeit, denn der nächste Regenguss prasselte schon auf das Überdach.

Aus dem Logbuch (unterwegs mit einem Diktiergerät aufgenommen):
Wollen wir nicht endlich los!
Ich warte mal auf die Letzten.
Wo geht es eigentlich weiter?
Wir können nicht über die
Weide, Leute - kehrt um!
Kann jemand
die braune Kuh fotografieren?
Wer hat sich verletzt?
Die Leitung muss die Gruppe bei Laune halten.
Ich will nach Hause!
Gut, dass es Kabelbinder gibt.
Gut, dass wir
Kaffee dabei haben.
Wie flicke ich den Rucksack?
Sind wir hier auf richtigem Weg?
Die Autobahn ist zu hören.
Ich bin richtig fertig! -
Langsamer!
Oh nee, - da
ist schon wieder ein Berg!
Waaaarten !!!!!
Und immer die Sorge: regnet es oder regnet es nicht?
Das sind die Kompromisse bei denen man eingeht.
Beim Laufen ist das eigene Tempo
sehr wichtig.
Das Warten auf die
Letzten ist anstrengend.
Mir geht es jetzt gar nicht gut.
Nach 7 Stunden: Rückenschmerzen, Schulterschmerzen, Hüftleiden und
Fußschmerzen.
Die Stimmung ist nicht so gut –
eigentlich ist sie schlecht.
Man muss sich
einfach durch das Leben durchbeißen.
Wir sind alle erschöpft.
Der Lauf ist sehr ungeordnet. Einige rennen rechts andere links.
Wir haben ein Klo gefunden. „Oh, happy day“.
Es macht einfach Spaß mit
Kletten zu werfen.
Ein toller
Rundblick hier.
Und dann kam die Geschichte mit dem Pferd, das an der
Türklinke rüttelt.
Die Nacht, die war einfach eine reine Katastrophe.
Jetzt muss die Katze noch eingefangen werden.
Der Hund hat Schluckauf.
Eine
Wanderkarte ist wirklich nur für Wanderwege geeignet.
Die Vorgärten sehen alle so gestriegelt aus. Man will den Nachbarn beweisen, dass man ein ordentlicher Mensch ist, - nichts anderes!
Zum Schluss ein Insider: Guck mal da - der kaut jetzt schon.
Dietmar König