Happy Birthday, liebe EFS! Die Revue zum 90. Geburtstag

Von großem Applaus begrüßt, betrat die alte Dame „EFS“ mit ihrem Butler James die Bühne, um ihren 90. Geburtstag mit vielen Aktionen und Erinnerungen gebührend zu feiern. Am Geburtstagstisch versammelten sich die Schülervertretung, das Lehrerkollegium, die Schulleitung und das Hausteam, um mit Miss Sophie (alias EFS) anzustoßen.
Und so wurde anlässlich des Jubiläums ein musikalischer, politischer und (religions-)pädagogischer Bogen von 1929 bis 2019 gespannt, den die OLB-Kurse der Unterstufen mit viel Liebe zum Detail vorbereitet hatten – begleitet wurden die Schüler*innen von den vier Lehrkräften Verena Jannaber, Karina Wilkens, Jörg Spaude und Eckhard Heggemann.
„Mein kleiner grüner Kaktus“ aus den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts war das erste Lied des Chores, der gemeinsam mit der Band passende Musik aus neun Jahrzehnten präsentierte.

Auch das Publikum durfte sich beteiligen, denn einige Theaterszenen wurden improvisiert – so ging es z.B. beim Experteninterview um die pädagogischen Dimensionen der Socke, deren Relevanz in Bezug auf das Bindungsverhalten von Eltern und Kindern vor allem von männlichen Erziehern erkannt wurde.
Ein blauer Stift, der bei Matheklausuren wie von selbst schreibt, kam beim Publikum ebenfalls sehr gut an.

Abwechslungsreich, unterhaltsam, zum Nachdenken anregend und sehr kurzweilig, so lässt sich der Abend zusammenfassen.

Das Publikum zeigte sich begeistert von den mitreißenden Darstellungen und der gesamten Atmosphäre, wozu auch das Catering der BFS 2e beitrug. Danke dafür!

Den Abschluss gestaltete eine Gruppe aus dem OLB Religionspädagogik mit folgendem Text:

Es ist schon so viel Zeit vergangen. So viele Veränderungen und Umbrüche haben wir durchlebt. So viele Herausforderungen, die es zu bewältigen gab. Und jetzt stehen wir hier. Im Jahr 2019 mit all diesen Veränderungen und der Modernisierung sämtlicher Bereiche. Wie weit ist denn jetzt noch die perfekte Erzieherin/ der perfekte Erzieher von uns entfernt?
Ich möchte Ihnen von der Geschichte „Als der liebe Gott die Erzieherin schuf“ erzählen. Als der liebe Gott die Erzieherin schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden. Da erschien der Engel und sagte: „Herr, Ihr bastelt aber schon lange an dieser Figur!“
Der liebe Gott sprach: „Hast Du die speziellen Wünsche auf der Bestellung gesehen? Sie soll pflegeleicht, aber nicht aus Plastik sein, sie soll 160 bewegliche Teile haben, sie soll Nerven wie Drahtseile haben, und einen Schoß, auf dem zehn Kinder gleichzeitig Platz haben. Sie soll einen Rücken haben, auf dem sich alles abladen lässt und sie soll in einer überwiegend gebückten Haltung leben können.
Ihr Zuspruch soll alles heilen, von der Beule bis zum Seelenschmerz, sie soll sechs Paar Hände haben und drei Paar Augen. Ein paar Augen, das durch geschlossene Türen blickt, während sie fragt: „Was macht ihr denn da drüben?“- obwohl sie es längst weiß. Ein zweites Paar im Hinterkopf, mit dem sie sieht, was sie nicht sehen soll, aber wissen muss. Und natürlich zwei Augen hier vorne, aus denen sie ein Kind ansehen kann, dass sich herausfordernd benimmt und die trotzdem sagen: „Ich verstehe dich und habe dich sehr lieb“ – ohne dass sie ein einziges Wort spricht. Ich habe bereits geschafft, dass sie sich selber heilt, wenn sie krank ist, dass sie zwanzig Kinder mit einem einzigen Geburtstagskuchen zufrieden stellt, dass sie einen Sechsjährigen dazu bringt, sich vor dem Essen die Hände zu waschen, einen Dreijährigen davon überzeugt, dass Knete nicht essbar ist und übermitteln kann, dass Füße überwiegend zum Laufen und nicht zum Treten gedacht sind.
Diese Erzieherin kann nicht nur denken, sondern sogar urteilen und Kompromisse schließen. “
Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit einem Finger über die Wange des Modells. „Da ist ein Leck“. „Ich habe euch ja gesagt. Ihr versucht, zu viel in das Modell hineinzupacken!“ Doch Gott sprach: „Das ist eine Träne. Sie fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz und Verlassenheit.“ „Ihr seid ein Genie!“ sagte der Engel. Da blickte der liebe Gott versonnen: „Die Träne“, sagte er, „ist das Überlaufventil.“

Wow, ganz schön viele Eigenschaften und Fähigkeiten, die von der perfekten Erzieherin/ dem perfekten Erzieher erwartet werden. Aber ganz ehrlich, kann man dem überhaupt gerecht werden?

Gott spricht davon, dass sie/ er speziell sein soll. Und das sind sie alle. Wir mögen zwar in diesen 90 Jahren keine Erzieherin/ Erzieher mit sechs Paar Händen oder einem überdimensionalen Rücken geschaffen haben, aber jeder von ihnen bringt etwas besonderes mit. Wir haben es geschafft, dass sich mehrere Fachkräfte in einer Gruppe ergänzen und somit sechs Paar Augen überall im Raum verteilt sind. Auch männliche Fachkräfte sind in den Einrichtungen herzlich willkommen und stärken das Team in seiner Arbeit. In den letzten Jahren ist die Rollenvielfalt in diesem Arbeitsfeld unheimlich wichtig geworden und vor allem für die Kinder auch sehr bereichernd. Kinder sind schon Persönlichkeiten mit Fähigkeiten und Potentialen und sie dürfen so sein, wie sie sind und dieser Raum muss ihnen geschaffen werden durch UNS.

Wir sind diejenigen, die den Kindern diesen Raum ermöglichen dürfen. Denn wir alle sind mit der Zeit gewachsen, vor allem wenn wir uns rückblickend DAS anschauen, was gemeinsam von der Menschheit geschaffen wurde.
Wo soll es jetzt für UNS hingehen?
Wo müssen wir denn anfangen noch mehr Veränderungen zu schaffen?

Für uns fängt der erste Umbruch in den Köpfen der Menschen an, denn viele schätzen diese kostbare Arbeit nicht. Stellen sie sich vor, wir passen auf das wertvollstes Gut der Eltern auf, auf ihre liebsten Blumen.

Wir würden uns wünschen, dass die Attraktivität dieses Berufsfeldes nach außen hin gestärkt wird, denn dann wären mehrere Menschen bereit, sich dieser schönen und wichtigen Aufgabe zu widmen.

So wie wir den Kindern einen guten Start ins Leben ermöglichen, sollte auch den zukünftigen pädagogischen Fachkräften ein leichterer Weg durch die Ausbildung eröffnet werden. Dies braucht strukturelle Veränderungen wie eine angemessene Vergütung, einheitliche Ausbildung in ganz Deutschland und die Anerkennung für die erzieherische Leistung.

Wir sind ständig dabei, Veränderungen anzugehen, da sich Zeiten ändern und das ist gut so! Auch die schönste Blume würde irgendwann verwelken und dann ist es Zeit für neue Blüten. Diese Blüten werden niemals identisch zu den vorherigen sein, aber sie sind genauso schön und bereichernd. Einige Blumen brauchen mehr Zeit, andere weniger.

Auf weitere 90 Jahre!

Friederike Niederdalhoff, 18. Mai 2019